Aushalten? Warum uns die Bibel manches verschweigt

Eigentlich würde der Titel komplett lauten: Vom Aushalten, Sterben auf Verlangen, warum uns die Bibel manches verschweigt und warum der Kompromiss kein Kompromiss ist.

In unseren Bibeln fehlt viel, sehr viel.
Israel-Museum, Jerusalem, Foto (c) privat

Hätte man mir in den ersten Jahren nach meiner Glaubensentscheidung für Jesus gesagt, dass in der Bibel etwas fehlt, dass man dort nicht alle Antworten findet, die es im Leben zu finden gilt, dann hätte mich das vermutlich eher geärgert als erfreut. Heute beruhigt es mich. Warum?

Doch zuerst einmal möchte Dorfpastor klarstellen: Es gibt viel mehr Antworten auf unsere Fragen – an die Bibel, an das Leben, an Gott – als wir es vermutlich wissen. Viele, die behaupten, dass die Bibel komisch oder fehlerhaft oder lückenhaft sei, sind in der Regel weniger die wirklichen Bibelkenner als die, die sich oberflächlich mit ihr befasst haben. Lange Zeit schienen die Recht zu haben, die meinten, dass es die Eroberung Jerichos nie gegeben habe. Ja nicht mal der „große“ König David wurde in außerbiblischen Quellen belegt, bis….. Aber die Zweifler an aktuellen archäologischen Hinweisen eines israelitischen König, der unweigerlich auf David bezogen sein muss, verstummen nicht – vermutlich nie. Und dann sind da nicht nur die Fragen der vermeintlichen Widersprüche unter gleichen Berichten in den Evangelien oder die Freiheit neutestamentlicher Schreiber im Zitieren alttestamentlicher Worte, da sind auch ganz andere, z.B. ethische Fragen, deren Antworten die Bibel ganz sicher(?) schuldig bleibt. Ob allerdings die Gesetzgeber vom neuen Gesetz des selbstbestimmten Sterbens mit der ethischen Fragestellung auch an die Bibel herangetreten sind? Dorfpastor glaubt: eher nicht. Schließlich hätte man dem König Saul und seiner Bitte zu sterben einiges abgewinnen können. Er wollte nicht „unehrenhaft“ als verletzter Kämpfer den Feinden zur Tötung in die Hände fallen, sondern lieber durch seinen Waffenträger sterben. (1. Samuel 31,4) Den zog er dann auch noch gleich mit in den Tod, in den Suizid, wie es Saul selbst verübte, weil sein Waffenträger den Auftrag nicht über‘s Herz brachte.

Dorfpastor, der zwar heute nicht rigoros den Dienst mit der Waffe verweigern würde, hätte aber sicher in jener Situation auch nicht gewusst, was richtiges Handeln wäre. Aber eines empfindet man aus der Sicht eines fortgeschrittenen Lebens: wir müssen lernen, Spannungen auszuhalten, statt zu glauben, sofort und für alles Antworten (in der Bibel) zu finden. Das gilt nicht nur in ethischen Fragen, auch in Glaubensfragen, wo wir spüren, dass die unterschiedlichen Interpretationen der Bibel zwar im eigenen Hirn, aber nicht in der Harmonie  mit Andersglaubenden aufgelöst werden können. „Nur meine Meinung zählt“, kann nicht zum Maßstab werden.

Foto (c) Peter Hebgen/pixelio.de

Dass das Aushalten von Unterschieden und Spannung gerade für Leiter gilt, darf hier nicht verschwiegen werden. Es ist eine der wichtigen Forderungen an Älteste, an Leiter einer Gemeinde (Titus 1,9).

Spannungen begrüßen – Freiheit akzeptieren

Spannungen aushalten, das können die einen besser als andere, der Ambitionierte weniger als der Gleichgültige, der Ordnungsfanatiker weniger als der Besinnliche.

Weniger aushalten als vielmehr begrüßen, lernt man, wenn man die Vielschichtigkeit des Lebens akzeptiert. Gerade deshalb ist vieles in der Bibel offen gelassen, angefangen bei den Kulturen der Völker dieser Welt. Wenn auch zweifellos für sie alle das Evangelium gilt, dann gilt doch nicht für alle derselbe Stil. Wenn für alle Menschen die Liebe Gottes gilt, dann hört sie sicher nicht auf, wenn einer viel, ein anderer wenig erkennt. Nur eine Frage ergibt sich da immer wieder für Dorfpastor: Wie hält Gott das eigentlich aus, wenn er sieht, wie mancher ihn leugnet, ihm den Rücken zukehrt, bewusst sündigt und einfach keine Lust auf Glaube und Kirche hat.

Foto (c) Harald Schottner/pixelio.de

Gewiss, die Enge von Gesetzlichkeit in Kirchen hat manchen vergrault. Vieles in an der Bibel orientierten christlichen Gemeinden war gut gemeint, aber schlecht gemacht. Aber statt Weite suchte man Klarheit, Sicherheit und ein Schema, nach dem sich jeder richten könne – natürlich nur wie sie selbst es für richtig halten. Die Weite und das Schweigen der Bibel war oft schwerlich zu ertragen. Doch die Bibel verschweigt uns manches, damit es uns vom Reichtum Gottes nicht etwas nimmt. Denn:

….wo der Geist des Herrn ist, ist nicht Beliebigkeit, jedoch Freiheit. ( nach 2. Korinther 3, 17)

Ja, es fehlt vieles in der Bibel: weil wir zu vielem Freiheiten haben, in vielem lernen müssen, Spannungen auszuhalten und unser schwaches und enges Gewissen zu dem zu führen, was hilfreich ist, wenn wir mit immer mehr Menschen Kontakt haben möchten, anstatt uns wie ein Einsiedler in die Einöde einer uns homogen erscheinenden eigenen Gemeinde zurückzuziehen.

Foto (c) M. Fischer

Ein gottgewollter Kompromiss ist keine Notlösung

Sicher hätte es manche Neugründung einer Konfession verhindert, wenn wir mehr die Freiheit und das Aushalten von Spannungen betonen, als die vermeintliche Richtigkeit. Einerseits ist diese ja immer von unserem Erkenntnisstand abhängig. Und der kann sich manchmal massiv ändern. Andererseits erweist sich manche Richtigkeit später als falsch, sodass unser vom Heiligen Geist bewegtes Herz aus Liebe und Zuversicht in manchen Umständen sicher der bessere Ratgeber ist.

Eine Zeit lang wurden so dogmatische und seelsorgliche Argumentationen gegeneinander ausgespielt oder stehen gelassen. Dass aber auch das spannungsvolle Miteinander eine Lösung sein kann, wird dabei übersehen. Die Zufriedenheit geht dabei verloren. Aber zeugt es nicht gerade von einem großen Herzen, wenn man die Spannung bewusst bejaht? Zeugt es nicht von einer großen Liebe, mit der auch Gott uns aushält?

Aushalten – vielleicht ist dies auch gerade jetzt in der Corona-Zeit eine Antwort. Keine Notlösung, sondern ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zu größerer Erkenntnis, gewiss aber zu größerer Liebe und Reife und Vertrauen, dass Gott und nicht ein Virus die Corona, die Krone, dieser Welt ist.

Und sagte nicht auch schon der Apostel Johannes (1. Johannesbrief 3, 20), dass selbst dann, wenn uns unser Herz verdammt, Gott sogar noch größer ist, wir also auch ganz persönlich trotzdem diese Spannung aushalten sollen und uns gerade damit den Frieden Gottes zusprechen dürfen?! Aushalten – im Frieden! Das ist so widersprüchlich wie der Status eines Christen: vor Gott Gerechter und Sünder zugleich – ein Kernsatz der Reformation, den glücklicherweise die meisten Christen für sich übernommen haben.

Foto (c) angieconscious/pixelio.de

Und damit – so meint Dorfpastor – ist die Spannung, die wir aushalten sollen, schon nur noch halb so schwierig, ja geradezu beruhigend. Mit dieser Lücke des Wissens und dem Schweigen in der Bibel können wir sagen, dass der Kompromiss keine Notlösung ist, sondern eine Lösung, ggf. auch langfristig, bis….

Bis zum Anbruch des ganzen Himmelreichs ist selbst unser Leben hier ja nur ein vorübergehendes. Und bis dahin heißt es: aushalten, c’est la vie, so ist das Leben! Und manchmal wird es für uns genau das Richtige sein.

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Mundschutz? Was Jesus meint:

Foto (c) Rike/pixelio.de 

Die Zeiten werden immer merkwürdiger. Jetzt müssen wir sogar noch mit Mundschutz einkaufen gehen. Nicht genug, dass wir social distancing praktizieren und überall auf Abstand gehen müssen und selbst dann, wenn wir nur eine Tube Zahnpasta brauchen, einen großen Einkaufswagen vor uns her schieben müssen.
Verrückt ist in dieser Zeit auch, dass man sich ausgerechnet in diesen schweren Zeiten wegen maskiertem Mund das Lächeln sparen kann – erst recht gilt dies für das verjüngte Botox-Gesicht. Wo man null Altersfalten erkennt, wird es jetzt auch schwer, Lachfalten zu sehen. Doch das ist mal wieder einer der Momente, wo es klar von Vorteil ist, zu seinem Alter zu stehen.

Warum Jesus für einen Mundschutz wäre? Nun, ein Mundschutz schützt andere, wenn man selbst spricht oder sonstwie „Äußerungen“ aus Mund oder Nase von sich gibt. Bezüglich Äußerungen, insbesondere verbaler Art, hatte Jesus schon immer eine klare „hygienische“ Meinung. Schließlich sagte er, dass das, was aus dem Mund rauskommt, verunreinigt. Das hat eine Zeit lang Dorfpastor ins Nachdenken gebracht, weil er als Berufsredner ja vieles von sich geben muss. Aber je länger je mehr er darüber nachdenkt, desto mehr musste er auch an die verbalen Reaktionen auf seine Berufsreden denken. Nicht alle sehen zuerst den Sinn, sondern zuerst die Ecke, an der sie sich stoßen – ob zu recht oder auch nicht. Immerhin hat Jesus gesagt, dass jeder, nicht nur Dorfpastor, von jedem unnützen Wort einmal Rechenschaft ablegen muss. Ja, das Thema Mundschutz ist ein wirklich herausforderndes Thema, denn kritisieren will gelernt sein. Kritisieren heißt zuerst einmal unterscheiden und dann entscheiden. Und die Frage von der Art der Äußerung ist dann noch eine ganz andere. Auf jeden Fall könnte ein verbaler Mundschutz, den man sich selbst gibt, das eigene Herz und das Herz anderer schützen.

Eigentlich könnte hier Dorfpastor leicht den Vorteil vom „Schweigen der (Ehe-) Männer“ anbringen. Aber das führt hier zu weit, und zu unausgewogen wäre es wohl auch. Doch klar ist eins: Jesus ist gegen jede Art von Verunreinigungen, insbesondere bzgl. des Redens, denn was aus dem Mund herauskommt, ist das, was nicht nur andere, sondern auch sich selbst beschmutzt (Matthäusevangelium 15,18).
Und wer es noch genauer wissen will, ob Jesus für oder gegen materiellen Mundschutz sei: Ja, er ist dafür, schon aus Liebe zum Nächsten – und darum geht es ja hier bei dem Gesetz, einen Mundschutz beim Einkaufen und in öffentlichen Verkehrsmitteln zu tragen. Jesus hat Rücksicht genommen, so sehr, dass er sich sogar mit seinem Leben für alle anderen eingesetzt hat. Mehr Demut und Rücksicht geht nicht. Jesus würde einen Mundschutz tragen.

Ob unter Menschen mit Mundschutz oder ohne zu Hause: Dorfpastor wünscht Dir einen behüteten und von Gott geführten Weg.

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