Was “black lives”, Corona und Lukas 15 miteinander verbindet

Eigentlich hat Dorfpastor ja schon etwas zum Thema Corona und ‚Maske tragen‘ geschrieben. Aber die Aussage dazu im Lukasevangelium, Kapitel 15, ist so eindeutig, dass es nicht nur ein gutes Argument dafür ist, sondern auch zugleich an Wichtiges erinnert:

Ja, zugegeben, es ist total komisch zu denken, dass vielleicht niemand der 100 Personen in dem Zug oder Flugzeug das covid-19-Virus in sich trägt, aber doch alle eine Maske tragen. Aber man weiß es ja nicht. Und haben wir Christen nicht gelernt, dass ein großer Aufwand und Einsatz lohnt, wenn man das Leben nur eines einzigen anderen Menschen retten kann? Und ist nicht genau dies die Botschaft von Lukas 15, wo Jesus verdeutlicht, dass der Hirte deshalb so gut ist, weil er 99 „vernachlässigt“, aber das eine, was im Begriff ist, verloren zu gehen, sucht und nach Hause bringt?!

Das aber scheint bzgl. der Bemühung, Menschen das Evangelium zu vermitteln, in dem so genannten christlichen Europa und den Gebieten, in denen noch die Kirche im Dorf steht, kaum nötig: los zu gehen, anderen das Evangelium so mitzuteilen, dass sie Gottes Liebe persönlich in Anspruch nehmen. Gehören sie nicht alle irgendwo zu einer Kirche? Ist es nicht ähnlich wie mit dem Virus? Sind die meisten Menschen nicht sowieso von dem verderbenden Corona-Virus frei und deshalb der Mundschutz übertrieben?

Wenn Tausende von Masken tragende Menschen das Leben nur eines einzigen damit retten, so zeigt es: Das Leben des Einzelnen ist überaus wichtig. Und wenn sich Tausende auf den Einzelnen einstellen, wie viel mehr müsste es dann für das Verhältnis bei 99 zu 1 gelten, womit Jesus das Anliegen, die Verbreitung des Evangeliums zugunsten der Außenstehenden zu priorisieren, ausdrückt.

Foto (c) D. Hillmer, priv.

Wenn du bereit bist, eine Maske um anderer willen zu tragen, warum dann nicht auch die eigene Glaubens- und Alltagspraxis hier oder da einfach um anderer willen umstellen, statt sein eigenes Glaubens- und Gemeindeleben im Rahmen der „99“ weiterhin so zu pflegen, obwohl es praktisch unmöglich ist, dass bei gewohnter Praxis das Verlorene sich in den „heimatlichen, rettenden Stall verirrt“ ?

Egal wie man über die Hoffnung und Zukunft eines anderen Menschen denkt, ob er sich auf sakrale kirchliche Amtshandlung verlässt oder sich hinter der allgemeinen christlichen Ungewissheit verschanzt – wir wissen es nicht. Wir wissen es genauso wenig wie die mögliche Tatsache, dass andere um uns herum ggf. das für manche tödliche Virus in sich tragen. Wo wir nicht bereit sind wie Jesus, die Lebenspraxis um des anderen willen umzustellen, muss man sich bereits die Frage der Nächstenliebe gefallen lassen. die Maske trägt man ja auch um des anderen willen. Und der zählt genauso wie wir – wie Menschen mit dunkler oder heller Hautfarbe.

Der Slogan „black lives matter“ ist gut gemeint, aber verkürzt. Bei Gott gilt: „every life matters“, jedes Leben zählt. Deutlicher könnte es Lukas 15 und das Gleichnis vom verlorenen Schaf kaum sagen.

Ob es klug wäre, ein Schild vor dem Bauch zu tragen mit der Frage, ob unser Nächster von Jesus schon gefunden wurde, kann zu Recht bezweifelt werden, aber ob es Nächstenliebe ist, wenn wir uns weigern, eine Maske zu tragen, mindestens ebenso. Doch keineswegs bezweifeln können wir die Wahrheit Jesu, der uns mit seinem Gleichnis vom verlorenen Schaf vermitteln wollte: every life matters.