Gegen Klimawandel oder für den Himmel?

Führen biblische Befehle nicht manchmal in die Irre, bzw. lösen sie nicht bei Menschen ein Dilemma aus? Wenn Jesus sagte, dass wir uns ein Auge ausreißen sollen, trifft Letzteres sicher zu. Aber wie ist es mit dem Gebot du sollst nicht töten, wenn jeder Polizist oder Soldat mit jedem Schuss aus seiner Waffe gegen das göttliche Gebot verstößt, weil dabei ein Mensch ums Leben kam? Oder messen wir hier plötzlich mit zweierlei Maß?

„Gott, der HERR, brachte den
Menschen in den Garten von Eden.
Er gab ihm die Aufgabe,
den Garten zu bearbeiten
und ihn zu bewahren.“
(1. Mose 2, 15)

Und wenn Gott am Anfang der Bibel sagt, dass der Mensch die Schöpfung bewahren soll, müsste man dann nicht erst recht vom Neuen Testament mit dem Gebot, das Evangelium zu verbreiten, einen gleichstarken Schwerpunkt auf christliche Aktivität setzen? Aber was ist mit denen, die den Schöpfungsauftrag vom Anfang der Bibel als irrelevant betrachten und einfach ignorieren?

Vielleicht haben letztere – zumindest zum Teil – ein wenig von dem verstanden, wie die Bibel zu behandeln ist, dass nämlich nicht alle Gebote zu allen Zeiten gleichstarke Geltung haben. Immerhin sind entscheidende Filter der Bibel, durch die der Bibelleser schaut, der neue und der alte Bund. Ja, sogar mehrere Bundesschlüsse gibt es bei Gott mit den Menschen, nicht nur den der alttestamentlichen Gebote bei Mose, sondern auch schon den am Anfang der Schöpfung, wo es gilt, dass der Mensch als Verwalter, nicht als letzter Bestimmer, die Schöpfung bearbeiten, aber auch bewahren, also erhalten, soll.

Doch wie kann der Schöpfungsauftrag gleichstark gesehen werden, wenn der neue Bund davon spricht, dass es niemals dazu kommen wird, genau diese Schöpfung, diese Ökologie unseres Globus zu erhalten?

Gewiss, die Bilder von der Hochwasserkatastrophe, die dieses Mal nicht von einem anderen Kontinent oder fremden Land sind, gehen unter die Haut. Müssten wir nicht endlich aufgewacht sein, um den Klimawandel zu stoppen und die Welt und damit die Existenzbedingungen zu retten? Müssten wir nicht auch an die anderen Generationen denken?

Gewiss, ein Appell an die künftigen Generationen zu denken, mag hilfreich sein im Kampf gegen den Klimawandel, vor allem jenen, die eines Tages von den eigenen Enkeln zur Rede gestellt werden.

Aber ob die Enkel uns auch an die Worte Jesu erinnern: „Was nützt es, die ganze Welt zu gewinnen, aber Schaden an seiner Seele zu nehmen!?“ Ob jene Generation überhaupt noch weiß, dass diese Worte existieren. Und ob sie wissen, wie relevant die biblischen Botschaften über die Schöpfung, Naturkatastrophen u.a. schon immer gewesen waren? Oder sind wir selber an dieser Stelle zu Unwissenden oder Zweiflern geworden? Aber hat nicht auch die Botschaft zur Verbreitung des Evangeliums und über die himmlische, herrliche Ewigkeit Gottes Relevanz? Der Meerespegel mag sich von Jahr zu Jahr heben. Aber der Pegel über Kenntnisse biblischer Aussagen und ihrer Relevanz scheint eher zu sinken.

Wie mancher die ökologische Verantwortung gern an die Politik abgibt, so überlassen nicht wenige gerne Fragen des Glaubens und der persönlichen Rettung den Kirchen. Dabei waren und sind die biblischen Botschaften keineswegs (nur) für die Kirche, sondern für die Menschen generell bestimmt. Sie sind so universal gültig wie Gottes Liebe selbst. „Denn also hat Gott die Menschheit geliebt…“ beginnt einer der zentralen Verse des Neuen Testaments. Aber wer weiß schon, wie dieser Vers weitergeht? Und ob wir bedenken, dass – wie jede von Liebe geprägte Beziehung – auch die Beziehung zu Gott nicht mal mit einseitiger Passivität funktioniert?

Wir sollten bei aller nötigen und teils vorrangigen Hilfe für andere auch an diese andere Seite des Lebens und zwar an die des eigenen Lebens denken. Andere werden – im eventuellen Gegensatz zur Lösung ökologischer Probleme – nicht stellvertretend für uns handeln. Und Glückseligkeit, Gottes Liebe und nicht zuletzt den Himmel zu erfahren umfasst mehr als Engagement für ökologisches Gleichgewicht. Selbst wenn es uns gelingt, den Zeiger wieder einige Minuten vor zwölf zurückzudrehen: Die Welt will nicht nur ökologisch gerettet sein. Ob Flora, Fauna oder wir Menschen, trotz Klimawandel und Naturkatastrophen, ja gerade deshalb muss gelten: jedes Leben zählt, jedes – auch das eigene, hier und auch für alle kommenden Zeiten, auf dieser Erde und auch im Himmel.

Vielleicht mag der Leser jetzt ein wenig innerlich gespalten sein. Soll sich ein biblisch orientierter Christ jetzt gegen den Klimawandel engagieren oder eher für den Himmel? Damit dies nicht allzu sehr belastend wirkt, sollte ein jeder sich seiner spezielleren Berufung und Beauftragung im Klaren sein. Nicht alle, die von Jesus geheilt wurden, hatten den Auftrag zu dem Kreis seiner Jünger und Verkündiger dazu zu stoßen. Manche schickte Jesus einfach nach Hause, um zu Hause mit dem eigenen Leben zu zeigen, wie ein Leben mit Gott gestaltet wird – für die Gegenwart und mit Blick auf die Ewigkeit.

Und – das ist Dorfpastor zunehmend wichtig geworden – darüber hinaus sollte keiner den anderen verurteilen, wenn er nicht auch ihre, bzw. seine Meinung teilt. Vielleicht sind diese Unterschiede ja gerade gottgewollt – meint Dorfpastor.  

(Alle Fotos: pixabay, freie Nutzung)

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